Probezeit Richtig Gestalten als Arbeitgeber
Die ersten Wochen nach der Einstellung eines neuen Mitarbeiters sind entscheidend – sowohl für den Kandidaten als auch für uns als Arbeitgeber. Die Probezeit bietet uns die Gelegenheit, die richtige Person für die Position gefunden zu haben und gleichzeitig dem Neuen eine faire Chance zu geben, sich einzuarbeiten und zu beweisen. Doch viele Arbeitgeber handhaben die Probezeit unsystematisch, was zu Missverständnissen, hohen Fluktuationsraten und rechtlichen Problemen führt. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du die Probezeit strukturiert und professionell gestaltest – von den rechtlichen Grundlagen bis zu praktischen Best Practices, die wirklich funktionieren.
Rechtliche Grundlagen der Probezeit
Bevor wir praktisch werden, müssen wir die rechtlichen Rahmenbedingungen verstehen. In Deutschland ist die Probezeit im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt und bietet uns als Arbeitgeber gewisse Schutzrechte, die außerhalb der Probezeit nicht vorhanden sind.
Die wichtigsten rechtlichen Aspekte:
- Vereinbarungspflicht: Die Probezeit muss schriftlich im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Eine mündliche Vereinbarung ist rechtlich nicht bindend.
- Zweck: Die Probezeit dient beiderseitig dazu, das Arbeitsverhältnis zu prüfen – wir testen die Eignung des Mitarbeiters, er testet, ob das Unternehmen zu ihm passt.
- Kündigung: Während der Probezeit können beide Parteien mit zwei Wochen Frist zum Ende eines Kalendertages kündigen. Das ist deutlich flexibler als danach.
- Besonderheiten: Für schwerbehinderte Menschen gelten strengere Regeln: eine Kündigung während der Probezeit bedarf der Zustimmung des Integrationsamtes.
Wir müssen diese Regeln einhalten, sonst riskieren wir rechtliche Konsequenzen und beschädigte Beziehungen zu neuen Mitarbeitern.
Dauer und Vertragliche Vereinbarungen
Die Dauer der Probezeit ist ein strategischer Parameter, den wir bewusst wählen sollten.
Standard und Besonderheiten:
Die gesetzliche Standarddauer beträgt vier Monate. Das ist ausreichend für die meisten Positionen, da wir damit genug Zeit haben, die Leistung zu bewerten. Wir können die Probezeit aber auch kürzer gestalten – zwei oder drei Monate – wenn es um einfachere Tätigkeiten oder Positionen mit schnell messbaren Ergebnissen geht.
Die maximale Dauer liegt bei sechs Monaten. Das empfiehlt sich nur, wenn wir sehr komplexe Rollen besetzen, bei denen die Lernkurve steiler ist (beispielsweise für spezialisierte technische Positionen oder leitende Rollen).
Bei der vertraglichen Vereinbarung müssen wir präzise sein. Der Vertrag sollte enthalten:
- Exakte Probezeitdauer (z.B. “vier Monate ab Arbeitsbeginn”)
- Kündigungsfrist während der Probezeit
- Bedingungen und Kriterien für Weiterbeschäftigung
- Vergütung und Nebenleistungen (gelten auch in der Probezeit)
Wir dürfen nicht einfach eine zu lange oder unrealistische Probezeit festlegen. Das wirkt unprofessionell und kann bei Kandidaten Misstrauen wecken. Eine faire, klare Regelung signalisiert, dass wir ernsthaft in eine gute Arbeitsbeziehung investieren möchten.
Onboarding und Einarbeitung Strukturieren
Ein strukturiertes Onboarding ist das Fundament für eine erfolgreiche Probezeit. Ohne Plan landen neue Mitarbeiter in Chaos – und das ist unser Fehler als Arbeitgeber, nicht ihrer.
Erste Schritte im Unternehmen
Die ersten Tage prägen den ersten Eindruck nachhaltig. Wir sollten folgende Punkte konkret planen:
- Vor dem ersten Tag: IT-Equipment vorbereiten, Zugänge einrichten, Arbeitsplatz herrichten. Nichts ist frustrierender, als am ersten Tag 2 Stunden auf einen Laptop zu warten.
- Willkommensprozess: Eine kurze Begrüßung durch die Geschäftsleitung oder den direkten Vorgesetzten, eine Unternehmenstour, Einführung in die Kernwerte und Kommunikationskanäle.
- Dokumentenpaket: Handbuches, Richtlinien, Organigramm, Zutrittsregeln – alles sollte übersichtlich zusammengestellt sein.
- Mentorenassignment: Idealerweise einen erfahrenen Kollegen oder Mentor benennen, der in den ersten Wochen Ansprechperson ist.
Klare Ziele und Erwartungen Definieren
Viele Arbeitgeber machen hier den kritischen Fehler, zu vage zu bleiben. Wir müssen konkrete, messbare Ziele formulieren – nicht für die ganze Probezeit, sondern als Meilensteine.
Ein gutes Zielmodell für die Probezeit könnte aussehen:
| 1–2 | Einarbeitung & Kennenlernen | Verständnis der Kernprozesse, Abschluss aller Trainings |
| 3–4 | Erste eigenständige Aufgaben | 2–3 einfache Aufgaben selbstständig abgeschlossen |
| 5–8 | Graduelle Verantwortung | Erste komplexere Aufgaben, weniger Überwachung |
| 9–16 | Unabhängigkeit prüfen | Volle Aufgabenübernahme ohne tägliche Anleitung |
Diese Struktur gibt beiden Seiten Klarheit und reduziert Missverständnisse dramatisch.
Regelmäßige Feedback- und Gespräche
Feedback während der Probezeit ist nicht optional – es ist essentiell. Wir müssen regelmäßig, konstruktiv und fair kommunizieren, wie es läuft.
Unser Feedback-Rhythmus sollte so aussehen:
Wöchentliche Kurzbesprechungen (15–20 Minuten): Informal, off-the-record, konzentriert auf das, was diese Woche gut lief und wo noch Fragen offenstehen. Das schafft psychologische Sicherheit und gibt dem neuen Mitarbeiter das Gefühl, dass wir ihn nicht einfach testen, sondern ihm helfen.
Monatliche Formalgesprächs (30–45 Minuten): Strukturierter Austausch mit konkretem Feedback zu Leistung, Verhalten, Teamfähigkeit. Wir sollten hier auch aktiv zuhören – vielleicht hat der Neue auch Feedback für uns oder das Team.
Abschlussgespräch vor Ende der Probezeit: Das kritischste Gespräch. Hier treffen wir die Entscheidung und teilen sie klar mit. Entweder: “Du bekommst einen unbefristeten Vertrag” oder “Das passt leider nicht, und wir werden das Verhältnis beenden.”
Beim Feedback sollten wir konkrete Beispiele bringen (“In der Kundenangelegenheit vom 15.1. hast du schnell reagiert”), nicht generalisieren (“Du bist nicht engagiert”). Das ist nicht nur fairer, sondern auch konstruktiv und hilft dem Mitarbeiter, sich wirklich weiterzuentwickeln.
Dokumentation und Leistungsbewertung
Was nicht dokumentiert ist, existiert vor Gericht nicht. Das ist ein harter Fakt, den viele Arbeitgeber ignorieren.
Wir sollten folgende Punkte dokumentieren:
- Trainings absolviert: Sicherheit, Compliance, technische Schulungen – mit Datum und Unterschrift.
- Ziele und vereinbarte Meilensteine: Was haben wir am ersten Tag oder in der ersten Woche besprochen?
- Feedback-Gespräche: Kurze Notizen nach jedem Gespräch. Was war gut, wo gibt es Verbesserungsbedarf?
- Kritische Vorfälle: Fehler, Konflikte, Sicherheitsverstöße – alles sollte dokumentiert sein, falls wir später begründet kündigen müssen.
- Leistungsbewertung: Eine abschließende Einschätzung der Leistung gegen die vereinbarten Ziele.
Diese Dokumentation schützt beide Seiten. Für uns als Arbeitgeber ist sie kritisch, wenn die Kündigung später angefochten wird. Für den Mitarbeiter beweist sie, dass wir fair vorgegangen sind.
Ein praktischer Tipp: Nutzt ein einfaches Formular oder Tracking-Sheet. Das muss nicht kompliziert sein – eine Excel-Tabelle mit Datum, Beschreibung und Unterschrift reicht oft aus. Digitale HR-Tools wie Personio oder BambooHR machen das noch strukturierter, aber auch ein gut organisiertes Excel-Sheet funktioniert.
Kündigung Während der Probezeit
Es ist nicht ideal, aber manchmal stellt sich heraus, dass die Person nicht passt. Oder der Neue kündigt selbst. Wir müssen wissen, wie wir rechtssicher und fair vorgehen.
Gründe für eine Kündigung während der Probezeit:
Wir können fristgerecht kündigen ohne Grund – das ist die Flexibilität der Probezeit. Aber das bedeutet nicht, dass wir einfach grundlos Menschen rauswerfen sollten. Häufige, nachvollziehbare Gründe sind:
- Die Person erfüllt die vereinbarten Ziele nicht und macht keine Fortschritte.
- Schwerwiegende Fehler oder mangelnde Qualität der Arbeit.
- Unzuverlässigkeit (ständige Verspätungen, unentschuldigte Abwesenheiten).
- Kulturelle Passung funktioniert nicht: der Stil passt nicht ins Team.
- Fehlende oder unzureichende Fachkompetenz für die Rolle.
Der Kündigungsprozess:
- Vorangehendes Gespräch (mindestens 1–2 Wochen davor): Wir teilen dem Mitarbeiter transparent mit, dass es Probleme gibt und geben ihm die Chance, Verbesserungen vorzunehmen.
- Schriftliche Kündigung: Muss per Einschreiben erfolgen, mit Kündigungsfrist (zwei Wochen) zum Ende eines Kalendertages.
- Trennungsgespräch: Professional, kurz, sachlich. Keine langen Diskussionen: wir haben schon entschieden.
- Abrechnung: Gehalt bis zum Trennungstag, Resturlaub (falls vorhanden), alle ausstehenden Beträge zahlen.
Wichtig: Auch während der Probezeit dürfen wir nicht willkürlich oder diskriminierend kündigen. Geschlecht, Alter, Religion, Behinderung – das sind geschützte Merkmale. Wenn wir jemanden wegen so etwas kündigen, riskieren wir eine Beschwerde beim Arbeitsgericht und Schadensersatzzahlungen.
Rat: Wenn eine Kündigung kompliziert sein könnte (schwerbehinderte Person, Betriebsrat im Unternehmen, etc.), konsultiert einen Rechtsanwalt oder einen HR-Experten. 200–500 Euro Beratung sparen euch tausende Euro Prozesskosten.
Best Practices für eine Erfolgreiche Probezeit
Zum Abschluss: Was machen Arbeitgeber, die Probezeiten wirklich professionell handhaben? Hier sind erprobte Best Practices.
1. Klare Onboarding-Checkliste
Wir erstellen eine Checkliste für die erste Woche: IT-Setup, Willkommensgespräch, Zielvereinbarung, Trainings, Teamvorstellung. Das wird nicht einfach gemacht, es wird überprüft und unterschrieben. Das ist Struktur.
2. 30-60-90-Tage-Plan
Statt vage Erwartungen haben wir konkrete Meilensteine:
- 30 Tage: Verständnis der Rolle und Prozesse
- 60 Tage: Erste unabhängige Projekte
- 90 Tage: Volle Produktivität und Teamfähigkeit demonstriert
Dieser Plan ist transparent, motivierend und messbar.
3. Buddy-System
Ein erfahrener Kollege ist in den ersten 4–6 Wochen der erste Ansprechpartner des Neuen. Das entlastet den Vorgesetzten und sorgt für schnellere Einarbeitung und bessere Teamintegration.
4. Psychologische Sicherheit schaffen
Die Probezeit fühlt sich für viele wie eine ständige Bewertung an. Wir können das reduzieren durch: regelmäßiges positives Feedback, Raum für Fragen, Fehlertoleranzen bei Kleinigkeiten, und das deutliche Signal, dass wir für ihren Erfolg arbeiten, nicht gegen ihn.
5. Transparenz über Erwartungen
Der Neue sollte wissen, woran wir messen. Nicht geheim halten, sondern offen kommunizieren: “Bis zum Ende der Probezeit erwarten wir, dass du diese Prozesse selbstständig durchführst und diese drei Projekte abschließt.”
6. Dokumentation von Anfang an
Keine Schuldzuweisungen später. Wenn wir kommunizieren, dokumentieren wir. Wenn es Probleme gibt, dokumentieren wir auch die. Das schützt beide Seiten und vermeidet Missverständnisse.
Für alle, die sich noch tiefere Kenntnisse zu arbeitsrechtlichen Themen holen möchten – es gibt auch ganz andere Bereiche wie Online-Glücksspiele, wo ähnliche Prozesse und rechtliche Rahmenbedingungen gelten. Wenn ihr beispielsweise ein Online-Geschäft mit mehreren Mitarbeitern aufbaut, wie etwa ein spinsy casino deutschland, sind klare rechtliche Grundlagen ebenso essentiell.
7. Flexible Problemlösung
Falls während der Probezeit klar wird, dass die Rolle nicht gut passt, aber der Mensch talentiert ist, können wir auch eine Umsetzung in eine andere Position anbieten. Das erspart uns Neurecruitment und der Mitarbeiter bekommt eine faire Chance.